Montag, 16. April 2018

Der rätselhafte Drang zur Mittelmäßigkeit der ollen Hertha

Es ist kaum zu glauben, aber es gibt doch tatsächlich noch Dinge, die verändern sich nie. Zum Beispiel die fast fanatische Mittelmäßigkeit des 1. Berlin/Weddinger Fußballvereins, der Haupt- und meiner Geburtsstadt. Sie erinnern sich vielleicht ..., da wo ihr mich hinwünscht, da komm ich her! Was mich in dieser Saison aber besonders verstört, ist das Gesäusel  des Trainers von Hertha BSC, nach einer höchst peinlichen Niederlage. Also nicht das ich da wirklich Ahnung hätte, aber ..., ist da vielleicht irgendwie die polnische Mafia im Spiel? Man weiß es nicht. aber fangen wir mal ganz von vorne an. In meinem Fall etwa 1978, in Berlin Wedding.




Als ordentliches Mitglied und Mittelstürmer der C-Jugend von Hertha BSC Berlin, hatte man nicht nur das Privileg des freien Eintritts zu allen Spielen, sondern wurde auch, alle paar Wochen zum Balljungen einberufen. Die mussten damals noch vor der Werbung, auf der Tartan Bahn des Berliner Olympiastadions stehen und aufmerksam darauf warten, dass der Ball in seine Richtung ins Aus ging. Das war 1978 noch eine höchst verantwortungsvolle Aufgabe, denn es gab nur einen einzigen Ball, nicht wie heute wo jeder Balljunge einen in der Hand hat. Denn hielt man diesen Ball nicht gleich auf und stolperte ganz zufällig darüber, so sprang der teilweise weit hinter die Werbebanner, oder landete im 3000 m Hindernisslauf-Wassergraben. Und dabei ging Zeit verloren. Zeit, die eine Mannschaft im Rückstand, drei Minuten vor Ende des Spiels nun mal nicht unbedingt hatte.

Wenn ich mich recht und nicht ohne ein wenig Stolz erinnere, waren es Paul Breitner und Branco Oblak von Bayern München, die mir mindestens den Hals umdrehen wollten. In tiefstem Bayrisch natürlich. Doch all die Drohungen der aufgebrachten Fußballer waren nicht so schlimm, wie schon damals die Tatsache zu erkennen, dass Hertha ohne die Hilfe von uns Balljungen wahrscheinlich wieder alles versaut hätte. Und mal abgesehen von den Trainingsanzügen, die wir im Stadion bekamen und in denen man aussah wie eine Leberwurst auf Beinen, gab es in den Jahren bei und mit Hertha BSC Berlin nicht wirklich viel auf das man überhaupt stolz sein konnte.

Mir wurde das schon 1978 bewusst, wenn wir in der Pause blöd rum standen, in unseren Leberwurstanzügen und einen Becher laschen Kamillentee und einem Wiener Würstchen, welches dem Tee an Laschheit an nichts nachstand, in der Hand: "Mehr kriegt man hier wohl nich´geboten!"

Ich bin nun wirklich alles andere als ein Experte. Ich muss sogar zugeben, dass ich dem Fußball als solches mit etwa 17 langsam den Rücken gekehrt habe. Vielleicht deshalb, weil es mir ein wenig zu unaufregend wurde und "Der Wald und die Bäume, die Bäume und der Wald" in der U-Bahn, auf dem Rückweg nach dem Spiel, zu singen und dabei möglichst den Zug zum entgleisen zu bringen, meinem Lebensentwurf nicht in voller Gänze entsprach. Vielleicht aber auch weil es durchaus noch andere Dinge gab, bei denen man sich betrunken daneben benehmen konnte.

Also wie gesagt, was den heutigen Fußball betrifft bin ich sicherlich ein ahnungsloses Huhn, es ist lediglich eine sentimentale Erinnerung an die Kindheit, aber ist es mit den Jahren nicht langsam peinlich für eine sogenannte Hauptstadt, das eine Eishockeymannschaft aus Hohenschönhausen und eine Basketballmannschaft aus Charlottenburg um so vieles erfolgreicher sind, als der Fußballverein in der 1. Liga? Aber gut ..., was weiß ich schon.

Nur der Vollständigkeit halber will ich nicht vergessen, dass ich nach dem Fußball dem Verein noch einige Zeit in der Tischtennisabteilung treu blieb. Allerdings nur solange bis der Vorwurf, ich würde ja nur umsonst ins Olympiastdion wollen, nicht mehr ganz von der Hand zu weisen war. 

Aus!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.