Montag, 16. April 2018

Übers älter werden

"Manchmal mache ich mich nach der Morgentoilette wieder auf den Weg ins Bett, denn es ist ja dann auch bald wieder Zeit zum aufstehen."

Da hatte man 45 Jahre lang Augen wie ein Aal ..., oder so und dann stehste auf einmal vor der Packung Halb und Halb Knödel und kannst die Kochanleitung nicht mehr erkennen. Denn obwohl ich das schon tausendmal gemacht habe muss ich da unbedingt noch mal drauf schauen. Kann ja sein, dass da was anders ist ..., als vor einem Monat. Aber ich seh nur verschwommendes Zeug vor mir. "Das ist das Alter", sagt der Arzt. Das Alter? Alter! Aber fangen wir mal von vorne an ...
Großvater bin ich geworden, vor etwas weniger als einem Jahr. Meine liebe Tochter hat ein strammes Bürschlein zur Welt gebracht. Und nicht erst seit dem stelle ich fest, dass das "Alt Werden" angefüllt ist von Sarkasmus, Ironie und gedrungener Lebensfreude. Nicht das es nicht auch seine Momente hat. Im Großen und Ganzen bin ich natürlich auch noch nicht alt, also relativ gesehen stehe ich in der Blüte meiner Jahre. Wenn auch schon etwas länger, wohl in dem Wissen das ich mal wieder einer der letzten Gäste bin.

"Na Wellmann, machste ma´wieder uff Kneipe?!", hat mein Chef damals immer gesagt, wenn ich kein Ende finden konnte. Aber wer denkt denn schon an das Ende, wenn alles grad erst mal richitg angefangen hat? Macht doch keiner, oder? Altersvorsorge? Is´das ´ne Hautkrankheit? Außerdem werde ich doch nicht alt. Ich doch nicht. Niemals. Da geh ich doch lieber schon mal übern Jordan, bevor ich alt werde.

Es ist wirklich faszinierend, wie oft ich in den letzten Monaten das Wort "Altersbedingt" gehört, oder gelesen hab. "Die Prothese hat sich altersbedingt abgenutzt und die "Schief nach Quer Stellung" der Knochen ist gering und altersbedingt. Oh mein Gott, mein Leben ist auf einmal komplett Altersbedingt und ich Arsch hab das nich mitbekommen. Na nu´komm mal damit klar Kollege.

Ich mein gut, wer mit über 50 noch eigene Zähne hat, ist wirklich selber schuld. Was die Kontrolle über den Harndrang betrifft allerdings ..., den sollte man doch so spät wie möglich anderen überlassen müssen.
Vieles wird anders und teilweise ist es phänomenal, wie ich mich dabei erwische genauso blöd dazustehen, wie meine Eltern früher vor mir. Also im Sinne von Unverständnis bis hin zur Fassungslosigkeit. 

Ich sehe meinen alten Kumpel Andreas noch vor dem Schaufenster des Friseurs stehen und sich kaputtlachen, darüber, dass meine Mutter mich gerade wieder mal dorthin geschleift hat. Um mir eine "anständige" Frisur zu verpassen. Ich habe es gehasst und wollte nichts weiter, als die Haare wachsen lassen. Heute kriegt man die jungen Herren ja gar nich mehr raus, aus´m Friseurladen. Die wohnen ja teilweise schon da, weil sie sonst Angst haben, sie könnten mal mit der falschen Frisur vor die Tür gehen.

Wobei die Damenwelt zur Zeit mal wieder lang hängen lässt, wenn ich mich nicht täusche. aber was weiß ich schon. Ich frage mich, ob die Typen mit diesen Mützen die auch auf´m Klo und beim Sex tragen, und ob nich genau das dann komisch riecht? Nee? 

Ich glaube auf jeden Fall, man hat es als Jugendlicher heutzutage verdammt nicht leicht. Im Gegensatz zu meiner Kindheit - und so lange ist das nun auch noch nicht her- hat sich in den letzten Jahren wirklich praktisch Alles in einer unmäßigen Art vervielfältigt, dass wirklich niemand mehr alles überblicken kann.
Wie komplett strange ist es für einen jungen Menschen heute, wenn der sich vorstellen sollte mit drei Fernsehprogrammen, ohne Handy, ohne PC und natürlich ohne Internet aufzuwachsen.

Nicht das ich mich irgendwie dahin zurück sehnen würde, aber wenn ich sehe, mit welcher Geschwindigkeit der sogenannte Fortschritt fortschreitet, dann wird sich in nicht allzuferner Zukunft alles nicht mehr nur vermehren, sondern es wird sich potenzieren und in einer Masse auf uns nieder kommen, dass wirklich niemand mehr das Tempo halten kann. Kein Mensch jedenfalls. Denn vielleicht sind unsere Gehirne durchaus in der Lage, doch die Zeit, die die menschliche Entwicklung braucht, stünde in keinem Verhältnis mehr zur technologischen Entwicklung.

Können sie sich denn in aller Konsequenz vorstellen was die Singularität wirklich bedeutet? Und bleibt denn das, was den Menschen bis jetzt gerade noch so über Wasser gehalten hat, die moralisch wirkende Seele, oder nennen wir es Bewusstsein, nennen wir es Mitgefühl, Empathie, oder wie auch immer. Wird das auf der Strecke bleiben? Wenn ich sehe, mit welcher gleichgültigen Brutalität sich Menschen begegnen, nicht nur auf dem Schlachfeld, sondern in der U-Bahn, auf dem Schulhof, auf der Strasse, dann wird mir ziemlich komisch im Magen. Und nicht nur da.

Da kommen wir denn auch zum Ende noch zu meiner extremsten Beobachtung, im Zusammenhang mit dem älter werden. So blöd und abgedroschen es klingen mag. Aber je älter man wird, desto schneller vergeht einem die Zeit. Teilweise so schnell, das ich zum Beispiel an meinem 52. Geburtstag nich den blassesten Schimmer hatte, wo, wann und wie der 51. geblieben ist. Ganz ernsthaft. Irgendwie ging ein ganzes Jahr an mir vorbei, ohne jeden Eindruck zu hinterlassen und vor allem ohne Bescheid zu sagen, dass es schon durch ist.
Ach ..., und habe ich denn schon erwähnt ..., ich bin Großvater ..., hehehehe
Großartig!

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