Donnerstag, 26. April 2018

Wie jetze ..., echt schon wieder WM?!

Und da war sie wieder, die Sache mit der Zeit, die vergeht, als hätte sie nichts anderes zu tun. Gerade muss ich über Fallen nachdenken. Nicht über Abseitsfallen, sondern diese Fallen, die wir im Laufe unseres Lebens so für uns selbst bauen und die uns davon abhalten, mal eben alles stehen und liegen zu lassen, ein Bündel zu packen und in den Sonnenuntergang zu stapfen. Also, Bonität vorausgesetzt natürlich. Ich rede nicht von irgendeiner Kurzschlusshandlung, sondern davon wie viel Freiheit wir uns spontan nehmen können, ohne an die Gitterstäbe der Fallgrube zu stoßen. Der Job, die Familie, die guten Freunde, die Hypothek, die vielen anderen Verträge unseres Alltags, die uns nicht erlauben ..., nee Moment, jetzt mal von vorne ...

Ist es tatsächlich schon wieder vier Jahre her, dass ich vor dem Fernseher saß und zusammen mit fast ganz, halb Deutschland dabei zugeschaut habe, wie das Flugzeug der Fußball Nationalmannschaft übers Brandenburger Tor flog und mit den Tragflächen den Massen unten "zu winkte". Böse Zungen behaupten ja immer noch, dass die Maschine nur so gewackelt hat, weil die Jungs gerade wild mit der Helene Dingensda rumgemacht hätten. Aber bösen Zungen soll man ja nicht trauen.

Überhaupt gab es davon ja glücklicherweise mal recht wenig, also von den Bösen Zungen, vor vier Jahren, in Brasilien. Ja gut, mal abgesehen von den paar hunderttausend Favela-Bewohnern, denen es saudreckig geht, während ihre Regierung mal eben tausend Milliarden "Pesos" für ein neues Stadion in Rio ausgegeben hat. Aber die wurden ja mit der Zeit doch recht versöhnlich, bzw. gerieten dann in Schockstarre, als "Wir" die brasilianische Mannschaft und damit ja praktisch das ganze Land, bis ins tiefste Mark getroffen und durch alle sieben Höllen haben gehen lassen. In Westeros wäre eine vergleichbare Niederlage nur mit Hilfe von mindestens 11 Drachen zu erreichen gewesen. (Und wer jetzt weiß was ich meine, der weiß es bestimmt!)

Aber nochmal zurück zu den "Positiv-Vibrations". Da habe ich doch gleich den blutverschmierten Schweinsteiger vor Augen, der sich ja im Endspiel, zur Freude der deutschen Fans, fast umgebracht hätte. (Keine Angst, es war ja dann doch nur ein etwas heftigerer Muskelkater. d.R.) Oder den, von sich selbst noch überraschten Mario Götze, der für diese eine Nacht zum deutschen Volkshelden wurde. Jedenfalls hatte ich das Gefühl, dass es nur für eine Nacht war, denn danach habe ich von Herrn Götze jetzt nicht mehr so allzuviel gesehen, außer ein paar Fotos von ein paar halbnackten Menschen auf seiner Yacht. Oder täuscht mich da wieder mein Unwissen, das ich mir, trotz inzwischen ja bekannter Hertha BSC Jugend Vergangenheits-Sünden, mit den Jahren angeschafft habe, in denen mich Fußball nicht mehr ganz so doll interessierte. Ist der denn diesmal dabei?

Klar, ein wenig schlägt mein Herz natürlich immer noch für den Verein der in dem Berliner Bezirk beheimatet ist, in dem ich geboren und aufgewachsen bin. Ich erwähnte es in dem Artikel "Der rätselhafte Drang zur Mittelmäßigkeit der ollen Hertha".
Aber es reicht eben nicht mehr für einen Infarkt, oder gar einem Kammerflimmern, was meine Begeisterung für den heutigen Fußball, also Profi-Fußball anbetrifft. Man muss ja auch schon ein wenig Glück haben, will man heute ein "Schönes Fußballspiel" sehen. Meistens liegen die Spieler ja mehr auf dem, von der ständigen Spuckerei, schleimig aufgeschwemmten Boden rum, als dass sie aufrecht stehen, oder gar laufen. Internationale Härte nennt man das wohl, soweit ich mich erinnere. Und da gibt´s nun mal erst auf die Fresse und dann wird Fußball gespielt.

Da unterscheidet sich der deutsche Fußball kaum noch von einem normalen deutschen Schulhof, zur großen Pause. Wenigstens Einer wird vor dem Ende, verletzt vom Platz getragen. Ob das dann aber nun wirklich rechtfertigt, diese, meist ja noch recht jungen Menschen, mit so derartig viel Kohle zu überschütten, dass so mancher Spitzen Manager die verkokste Nase rümpft, sei mal dahin gestellt. Das die Summen, um die es heutzutage im Profi-Fußball geht, in jeder Hinsicht unverhältnismäßig sind, stell ich gleich mal daneben.

Ja natürlich haben Profi-Fußballer einen anstrengenden Beruf, mit einem ungeheuren Verletzungrisiko. Sie stehen unter sehr großem Druck, sowohl psychisch, als auch körperlich und müssen heute einer wahnsinnig hohen Erwartung gerecht werden. Die können sich auch nicht, wie die Herren in früheren Zeiten, Herr Hoeness, Herr Breitner,oder Herr Netzer z.B. mal eben Abends davon schleichen, um nach einem Zug durch die Gemeinde, mit 3,8 Promille im Turm und mindestens drei, leicht bekleideten Damen, am nächsten Morgen zum Training getorkelt zu kommen. Da kriegt man heutzutage nicht nur ein Bisschen Aus-Mecker, sondern es gibt 1000 Runden um den Platz, 15000 Liegestütze und nicht zuletzt eine fette Geldstrafe um die Ohren gehauen. Von der alleine könnte man wahrscheinlich einige Mittelafrikanische Staaten, mehrere Monate ernähren.

Und ein weiterer Aspekt, den man, wenn überhaupt zur Legitimation heranziehen könnte, wäre der des Mindesthaltbarkeitsdatums von Fußballspielern, die heute im Durchschnitt etwa im Alter von 35 Jahren ihre Karriere beenden müssen, da sie die erforderliche Leistung nicht mehr erbringen können. Geht man jetzt davon aus, dass die meisten etwa mit 18-20 begonnen haben richtig Geld zu verdienen, bleiben denen also 15, vielleicht sogar 20 Jahre, in denen sie es geschafft haben müssen, den Grundstock für ihren weiteren Lebensweg, oder sogar schon für ihren Lebensabend zu legen.

Aber sind dazu denn tatsächlich viele hundert Millionen nötig, reichte denn nicht vielleicht ein, oder zwei, oder sogar nur ein paar Hunderttausend? Wie sieht es denn mit dem Industriekletterer aus, der sich Tag für Tag in schwindelnde Höhen begibt, um dort mit schwerem Werkzeug, z.B. Windkraftanlagen zu warten, oder auf Kirchturmspitzen ein paar heilige Dachziegel auszutauschen, oder Vogelscheiße von einem Stadiondach zu wischen? Lebt der weniger gefährlich und braucht weniger Disziplin?(*)

Oder was ist mit dem Aushilfsarbeiter, der sich für einen Hungerlohn jeden Tag giftigen Dämpfen aussetzt und dafür 12-14 Stunden schwerste Lasten schleppen muss? Ist der denn so viel weniger Wert, als ein Mittelstürmer von  FC Astmatico Barcanneloni?

Absolut doofe Frage, oder? Natürlich ist er das. Wie erbärmlich können  wir Menschen noch werden, wenn es noch ein paar wenige Krümel Scheiße gibt, die man zu Gold machen kann?!
Aber weil wir grad bei doofen Fragen sind. Dürfen die Russen denn eigentlich mitspielen, bei der WM? Oder sind die wegen Dopings gesperrt?

Spannend wird ja auf jeden Fall mal der Gegensatz zur letzten WM, die in einem Land stattfand, in dem die Menschen abends an den Strand gehen, zu diesem Jahr, wo die Abends zum Wodka saufen einfach nur dahin gehen wo nicht so kalt ist, hehe ...

Doch kommen wir nocheinmal kurz zu dem Gedanken, der mich diesen Beitrag anfangen ließ. Nämlich wie
ungewöhnlich schnell für mich diese letzten vier Jahre vergangen sind. Und ich welchen Fallen ich mich in meinem Leben gerade befinde. Also was ich selbst dafür tue, um mir auf der einen Seite vielleicht Sicherheit zu verschaffen, oder Bequemlichkeit, um auf der anderen Seiten immer mehr Freiheiten einzuschränken, eben weil es nicht anders geht, zur Zeit, oder einfach aus Angst. Denn natürlich will auch ich nicht das letzte Bisschen, das mir zum Leben bleibt verlieren, nur um einer vermeintlichen Freiheit ihren Raum zu geben.

Und so gehts sicherlich Vielen, die sich auch deshalb nicht trauen mal zu boykottieren, selbst wenn ihnen die neue Regel so derartig gegen die Hutschnur geht, das sie fast platzen. 
Da platzt man dann an anderer Stelle. Stellvertretend. Wenn die Wut aber doch so, so schlimm ist, dass sie sich im Amoklauf entladen muss, oder wenn, wie diese Woche Fußball Fans aus dem einen Land auf die aus dem anderen Land mit Messern und Hämmern (!!!) los gehen, ohne jeden Skrupel nicht nur zu zeigen wo der Hammer hängt, sondern tatsächlich auf einen Menschen damit einzuschlagen, wäre es dann doch nicht  einfacher, oder schlicht besser und gesünder, die Freiheit mal zuzulassen, sich zu weigern und nicht zu tun, was einen so sehr wütend macht. Auch wenn ich dabei vielleicht in Gefahr gerate, ungehorsam zu sein.

Ich weiß, gerade der letzte Absatz hört sich wieder mal so an, als wäre es so einfach und das ist es sicher nicht. Es kostet viel Mut und Kraft sich gegen eine augenscheinlich stärkere Macht zu stellen. Sich zu weigern, zu wehren gegen Ungerechtigkeit kostet oft mehr als man geben will. Aber ich sag ja schon lange, es muss nicht immer gleich ein militärischer Putsch, oder eine gewaltsame Revolution sein. Oft reicht es schon, nicht immer jeden Mist mitzumachen, nur weil es die Anderen tun. 
Auch wenn die denn mit dem Finger auf dich zeigen.


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