Donnerstag, 17. Januar 2019

Die Serienbeobachtung: Wer muss denn da ins Krankenhaus?

Ich weiß, es hört sich unglaublich an, aber es gab Zeiten, als das Telefon noch auf der Flurkommode stand, und man ausschließlich die Wahl hatte, das einheitliche "Telekom-Grau", mit Wählscheibe zu wählen, was meine Mutter  veranlasste das Gerät in einen braun-gemuschelten, samtigen Überzug mit Kordel-Borten-Rand zu stecken, in dem es mich immer an den Königspudel meiner Tante, im Frottee-Schlafanzug erinnerte. Nicht viel mehr Wahlmöglichkeiten gab es beim Fernsehprogramm, was durch den Sendeschluss (Ja Ehrlich), das Leiden eines Nachtmenschen, wie mir, noch vergrößerte. Trotzdem schaute man sich deshalb nicht alles an was es gab, aber irgendwie kannte jeder noch so ziemlich alles, oder hatte zumindest schon mal davon gehört. Also selbst wer strikt leugnete jemals die Schwarzwaldklinik gesehen zu haben, hatte zumindest schon mal davon gehört. Heutzutage würde ich Jedem glauben der sagt, er hätte noch nicht einmal etwas von dem Sender gehört. Das es in dem Haufen Müll, der auf , inzwischen wahrscheinlich 1035 Programmen läuft, ausgerechnet eine amerikanische Krankenhaus Serie ist, die mein Interesse weckte, hat selbst mich ein Wenig erstaunt.

"Code Black" ist der Name der Serie, die schon deshalb interessant ist, weil sie den Alltag der Notaufnahme des Los Angeles Memorial Hospitals, zwar mit allen notwendigen Klischees versehen, aber dennoch ansatzweise authentisch, zeigt. Code Black bedeutet hierbei die höchste Stufe, neben Code gelb und rot, der Ansammlung von Notfällen zur gleichen Zeit, die eigentlich ein normales Arbeiten nicht mehr möglich macht. (Wobei mit "normales Arbeiten" wahrscheinlich für den Patienten eine Wartezeit von unter fünf Stunden bedeutet). So ein Code Black heißt im Grunde also nichts anderes als die totale Katatstrophe und  soll in anderen Krankenhäusern etwa 5 Mal im Jahr stattfinden. Im Los Angeles Memorial sollen es etwa 300 Tage im Jahr sein, an denen Code Black ausgerufen wird. So in etwa kann man es am Anfang der Sendung auf dem Bildschirm lesen und spätestens da hatte sie mich, wie man so schön sagt. Ich persönlich denke, 10 Folgen in einer Staffel hätten eigentlich ausgereicht, was ich jetzt aber überhaupt nicht groß negativ sehe und wozu ich später nochmal kommen möchte.

Denn ich meine, wenn ich sehe was in einer normalen Notaufnahme, eines normalen deutschen Krankenhauses abgeht, wo man das Gefühl nicht los wird, dass da immer Doppel Code Black herrscht, dann war das noch ein Grund, wenigstens einen Blick in die erste Folge zu werfen. Wie gesagt, wird nebenbei natürlich alles geboten, was in einer amerikanischen Serie amerikanisch sein muss.
Angeführt von meinen Lieblingsfloskeln, die niemals fehlen dürfen, nämlich: "Was zum ...?", Jetzt mal ehrlich ..., so was sagt doch kein Mensch jemals im Leben, oder? Na ja, nicht so wichtig.

Was ich noch viel  Schlimmer finde und mich unterschiedlich amüsiert, ist der Satz: "Du musst mir jetzt nur vertrauen", in den diversesten Ausführungen. Ich glaube es gibt keine einzige amerikanische Serie, in der das nicht wenigstens fünf Mal pro Folge vorkommt. "Hey, ihre OP ist echt scheiße gefährlich und zu 89% werden Sie sterben, oder zumindest danach nie wieder sehen, oder laufen können, aber sie müssen mir jetzt nur vertrauen!"
Ich frage mich doch immer wieder, wie viel schlechtes Gewissen in einem Amerikaner so brodelt, dass er ständig um Vertrauen betteln muss, aber das ist vielleicht wieder ein anderes Thema. Nein bestimmt sogar ist es das.

Geleitet wird diese Notaufnahme von Daddy und Mamma. In diesem Fall ist Daddy aber Die Leiterin der Station, Dr. Leanne Rorish (Marcia Gay Harden) und Mamma, der Oberpfleger und Ausbilder des Pflegepersonals Jesse Salander (Luis Guzmán), die Beide nicht nur durch ihre ordentliche Arbeit als Schauspieler, sondern auch mit einem übergroßen Herzen auffallen. Und was das Faszinierende an der ganzen Sache überhaupt ist, ist die Tatsache, dass nicht nur die Beiden, sondern alle Angestellten des Krankenhauses, teilweise wirklich Zeit haben, bzw, sich diese nehmen, um mit ihren Patienten zu reden!

Ja, liebe Freunde der gehobenen Boshaftigkeit, Ihr habt richtig gelesen. Zeit zum Reden! Wahnsinn, oder? Eigentlich so ganz weit weg von allem was sich Realität nenn ..., ach menno, jetzt bin ich schon wieder gemein. Als würden sich deutsche Ärtze keine Zeit für ihre Patienten nehmen ..., natürlich wenn es die drei Minuten Grenze nicht überschreitet, die ja verständlicher Weise immer noch von einem Telefonanruf, oder einer herein stürzenden Schwester, die "was unterschrieben" braucht, unterbrochen werden. Also da will ich jetzt wirklich keinem Unrecht tun, oder gar Schlechtes nachsagen. Tut man ja auch nicht, garstig zu Göttern zu sein.

Nichtsdestotrotz wird anschaulich, um jetzt mal wieder nach Los Angeles zurück zu kommen, was es heißt, wenn eigentlich nichts mehr geht und es denn doch irgendwie klappen muss, auch wenn dabei einiger Kollateralschaden zu beklagen ist, der aber sauber um die Ecke der Verschleierung geschoben wird. 
Und nebenbei geht es um das private Gedöns der Ärzte und Schwestern, hier und da wird sich verliebt und wieder entliebt. Kinder wechseln ihr Eltern, oder bekommen überhaupt erst mal Welche und das alles während Alle, etwa bis zu den Knien, in Blut waten und mit inneren Organen, oder ganzen Körperteilen, um sich werfen.

Ich möchte allerdings vorwarnen, es gibt teilweise wirklich hässliche Bilder zu sehen, so dass man überlegen sollte, ob es etwas für ihre Kinder ist, oder für Menschen, die entweder noch nie so etwas gesehen haben, oder die schon des öfteren das Vergnügen hatten intubiert und im Halbkoma auf so´ner Pritsche zu liegen und deshalb gar keine Lust drauf, es nochmal auch nur zu sehen. Allerdings hat der Blick auf das Röntgenbild eines Mannes, der sich eine Kunststofflasche in den "Allerwertesten" geschoben hat, schon etwas phänomenales.
Ja, den Rest müsstet ihr Euch, wie immer, selbst anschauen, oder auch nicht.

Ach, bevor ich es vergesse! Fast zur selben Zeit fand ich die Serie "Atlanta Medical", die sogar mit Erstaustrahlung im Januar 2018 noch fast grün hinter den Ohren ist, sich aber auch um ein Krankenhaus und deren Mitarbeiter handelt. Hierbei, so viel will ich Euch noch mitgeben, geht es aber eher um die Darstellung der sogenannten "wirtschaftlichen Notwendigkeiten", die eine Krankenhausführung in Amerika so mit sich bringt, dessen Gesundheitssystem mir sowieso schon lange ein großes Rätsel ist, aber gut ...

In "Atlanta Medical", geht es nämlich augenscheinlich um dieses "Götter Phänomen", in das Ärzte manchmal völlig unbeabsichtigt hinein ..., kriechen, hätt´ich jetzt fast gesagt, na ja die da rein "neurotisieren", wenn ich es mal so ausdrücken darf.
Und wenn dieses Gott sein dürfen auf einmal vorbei sein soll und schlichtweg der nächsten Generation Platz machen muss, fällt der "Abschied gar so schwer", dass manche einfach nicht loslassen können. Und wie immer und überall, hat es vor Allem auch mit Geld zu tun, dessen Faszination einfach zu groß ist, um die Vernunft, oder gar die Barmherzigkeit siegen zu lassen.

Um nochmal zum Thema von oben zu kommen, wahrscheinlich hätte eine Staffel bei beiden Serien gereicht, um dem Zuschauer das zu vermitteln, was es zu sagen gibt. An den ersten Folgen aber, habe ich große Freude gehabt, wenn ich das in diesem Zusammenhang sagen darf. Es ist einfach auch immer wieder sehr spannend sich vorzustellen, was den Schauspielern und dem Filmteam so abverlangt wurde, denn ich finde besonders ein Krankenhaus ist kein Ort, den man mal eben vor die Kamera bringt, sondern es ist viel Fachwissen und wahrscheinlich noch mehr Einfühlungsvermögen nötig, um so etwas nicht gegen die Wand zu fahren.

Damit Ihr nun nicht alles selber machen müsst, hier mal die Links zu Wikipedia. Alles andere liegt, ich weiß ich wiederhole mich, bei Euch und dem was ihr daraus macht.




Schönen ´Nabend

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