Freitag, 1. Februar 2019

Kurzgeschichten: "Die SMS an den Präsidenten der anderen Seite"



Die Praktikantin im weißen Haus war deutlich sichtbar, furchtbar nervös, was jetzt nicht nur an vergangene Geschichten, aus dem Oval Office lag. Nein, sie musste zum ersten Mal etwas tun, das so richtig viel Verantwortung von ihr erforderte. Sie sollte nämlich, im Autrag des Präsidenten dem Präsidenten der anderen Seite eine SMS mit Glückwünschen zum Geburtstag schicken und hatte mehrere Vorschläge, die sie alle Mist fand und überzeugt war, der Präsident würde sie zum Teufel schicken und sich danach bei Twitter über sie lustig machen.

So ein Präsident hat ja nun auch immer viel zu tun und kann sich nicht um Alles selber kümmern und so bekam Patricia Parker, an ihrem dritten Arbeitstag diesen Auftrag.
Man einigte sich dann auf die Nachricht:" Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, wünscht der Präsident der anderen Seite, hoffentlich als Erster heute, der den Handschlag reicht. Lebe lang und in Frieden"

Die Sache wurde abgesegnet, die Praktikantin, begleitet von mehreren, versteckten, lüsternden Blicken, der anwesenden Herren, mit einem "Good Job!" versehen, was Patricia wie ein Ritterschlag vorkam, den sie so überhaupt nicht erwartet hätte.
Was sie allerdings auch nicht erwartet hätte, war das Teil, das allgemein als das "Gruß-Telefon-zur anderen Seite" bekannt war, denn es war eigens dazu angeschafft, Grüße jedweder Art auf die andere Seite zu schicken. (Ich überlass es mal jedem Denkenden selbst, sich eine andere Seite zurecht zu legen.)

Und was man der armen, jungen Fau auch nicht unbedingt auf´s Frühstückssandwich geschmiert hatte, war die Tatsache, dass das Handy normalerweise, nur von einem Sekretär des Präsidenten bedient wurde, der aber diese Woche krank im Bett lag. Wohl sogar so krank, dass er nicht mal mit ihr telefonieren konnte, denn auf den ersten Blick sah das Telefon wie ein ganz normales Handy aus, doch schon an der PIN Nummer, die 16. Stellig! war, nicht wie sonst vierstellig, schien sie den ersten Felsbrocken zu sehen, der ihr im Weg lag. Ein Anruf beim Sekretär, dessen private Nummer sie nur heraus bekam, indem sie den Assistenten des Sekretärs versprach, mit ihm essen zu gehen, was sie jetzt schon einen leichten Waschzwang spüren ließ.
Die Sekretärin des Sekretärs endlich zu erreichen, kam ihr wie ein Segen vor. Nach 20 Minuten Warteschleife. Sie schilderte ihr Problem und wurde von der Reaktion der Sekretärin des Sekretärs fast ungehauen, wäre sie nicht nur am Telefon gewesen.
"Ja sind Sie denn noch ganz dicht, hier über eine unsaubere Leitung anzurufen und dann auch noch, über diese unsichere Leitung nach eienm Code zu fragen, den sonst dur der Herr Sekretär und der Präsident perönlich haben? Wer sind sie nochmal, sagten sie? Frau Patti Praktikant und sie rufen wegen Parker an? Wer zur Hölle ist Parker?
Nachdem ihr die Sekre ..., na ihr wisst schon, noch mehrmals lautstark versicherte, was für eine Null sie in professionellem Sinne war und dass sie, wenn sie noch ein paar Tage länger ..., na ja und so weiter und so fort. Sekretärinnen können schon manchmal recht starrsinnig sein, wenn es um die Interessen ihres Arbeitgebers ging.
Am Ende war auf jeden Fall klar, das der Stabschef im Weißen Haus, die Möglichkeit hatte, Informationen solcher Art zu bekommen, ohne den Präsidenten damit behelligen zu müssen. Und da dieser zu genau zu den alten Säck..., den älteren Herren im Oval Office gehörte, die ihre lüsternden Blicke nicht mal mehr versteckten, war es für "Patti", was sie als Spitznamen abgrundtief hasste, ein Leichtes den Code für das "Gruß Handy" zu bekommen.
Der Stabschef genoss es Beide Male, sie in seinem Büro zu haben, denn wohlweislich hatte er ihr, verschwiegen, dass zu dem Code noch eine bestimmte Fingergeste, auf dem Display des Telefons, gehörte, um es endgültig bereit zu machen.

Als sie es dann wirklich geschafft hatte und soweit war die Nachricht einzutippen, war sie endlich wieder in ihrem Element. Denn tippen konnte sie, ohne jede Hilfe, oder Autokorrektur, wie eine Weltmeisterin. In ihrem Freundeskreis jedenfalls, war sie ungeschlagen, was das senden von Kurz- , oder Whats App Nachrichten betraf. Sie schrieb also den vorgegebenen Text und war so voll Selbstsicherheit, dass sie, wie immer nicht hinschaute, was sie eintippte, denn nicht nur fühlte sie sich absolut sicher, es war auch eine Frage der Zeit, die sie dadurch gewann. Und wie sie mitbekommen hatte, bzw., sie ja nicht blöd war und den Wortlaut der Nachricht schon verstand und sich dadurch ein kleines Bisschen für den Weltfrieden, den sie gerade in den Händen hielt, verantwortlich fühlte. Diese Gedanken waren auch viel schöner als darauf zu achten, was sie schrieb. Sie war schließlich die inoffizielle Weltmeisterin im Schnell-Blind-SMS schreiben und das hier war ein Klacks. 

Doch wie es in den Kreisen um und im weißen Haus so üblich ist, ist nichts wirklich so wie es scheint und immer und überall gab es noch eine Falltür, die man auf seinem Weg tunlichst beachten sollte. Hier zum Beispiel hätte Patricia besser doch darauf geachtet, was genau auf dem Display stand, denn im Gegensatz zu ihrer Gewohnheit die Auto Korrektur abzuschalten, hielt es der sonstige "Betreiber" des Handys da ganz anders und so bekam der Präsident der anderen Seite, zu seinem 63. Geburtstag folgenden Gruß:
"Herzliches Beileid für diesen grauen Tag, an dem ich hoffentlich der Erste bin der Dir den Erstschlag nicht nur wünscht. Stirb schnell und schmerzlos. Dein Präsident der anderen Seite!"
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Die Rubrik "Kurzgeschichten" beinhaltet entweder Ausschnitte, oder ganze Geschichten aus dem Buch "Dimensionssalat", welches in Kürze erscheinen wird. Wer weiter Pre Views, oder Kurzgeschichten haben will, kann dies mit einer Spende ab einen Euro, über unseren Spendenbutton tun. Kennwort Kurzgeschichte. Guckt Ihr hier

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